Das kleine Saatgut - Wiki
Im Zusammenhang mit Saatgut hört man immer wieder Begriffe wie “samenfest”, “Hybridsaatgut”, “gebeizt”, “genverändert”. Doch was heißt das alles eigentlich genau? Falls du bei den ganzen Begrifflichkeiten zum Thema Saatgut auch nicht mehr richtig durchsteigst, haben wir hier einen kleinen überblick für dich:
Was bedeutet "samenfest"?
In der Vergangenheit wurden Pflanzen über Generationen hinweg per Auslese auf gewünschte Eigenschaften wie z.B. Standortverträglichkeit, Ertrag, Geschmack oder bestimmte optische Merkmale hin gezüchtet. Das Ergebnis: Eine große Vielfalt in Form, Farbe, Geschmack und Erntezeitraum. Pflanzt man das Saatgut solcher Pflanzen ein, bleiben die Merkmale der Pflanzen über viele Generationen weitestgehend unverändert, sie sind also samenfest“ - auch sortenrein“ oder sortenfest“ genannt. Diese Pflanzen sind für den Anbau in deinem Selbstversorgergarten oder auf dem Balkon besser geeignet.
Vermehrung von samenfesten Sorten:


Was sind “F1 Hybride”?
Heute wird Saatgut überwiegend durch gezielte genetische Eingriffe mit neuen Eigenschaften ausgestattet und von wenigen großen Konzernen weltweit vermarktet. Im Vordergrund stehen hierbei nun Eigenschaften wie: Resistenz gegen Herbizide und Pflanzenschutzmitteln“, Haltbarkeit, optisch möglichst einheitliches Erscheinungsbild und identischer Erntezeitraum – also perfekt für Monokulturen. Zudem wird dieses Saatgut patentiert und so modifiziert, dass nur die erste Generation einen hohen Ertrag erbringt – quasi ein eingebauter Kopierschutz.
Vermehrung von F1 Hybridsorten:
Da das sogenannten Hybridsaatgut nicht samenfest ist, variiert das daraus gewonnene Saatgut in den Eigenschaften sehr stark und kann sogar unfruchtbar sein. Eine Saatgutvermehrung ist also eigentlich nicht möglich und du musst jedes Jahr neues Saatgut kaufen. Hybridsorten haben aber natürlich auch positive Seiten: Sie sind relativ resistent gegen Schädlinge, können dem Wetter besser trotzen und bescheren dir eine große Ernte.
Was heißt “gebeizt”?
Wird das Saatgut mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, spricht man von gebeiztem Saatgut. In speziellen Formen auch von Pillieren“. - Das Saatgut bekommt eine Hülle aus Pflanzenschutzmitteln und Dünger. Dadurch bekommen die jungen Pflanzen zwar eine prima Starthilfe, jedoch ist der Einsatz solcher Substanzen für das Erdreich und die in der Umgebung lebenden Tiere und andere Pflanzen problematisch bis tödlich.
Spezialfall Kürbisgewächse
Wenn ihr Saatgut selber vermehrt, solltet ihr bei Kürbisgewächsen besonders aufmerksam sein - auch bei samenfestem Saatgut! Zu den Kürbisgewächsen zählen alle Zucchini-, Melonen- , Gurken- und Kürbissorten. Du kannst aus angebauten Kürbisgewächsen neues Saatgut gewinnen, allerdings können hierbei durch Mutation oder Kreuzung mit Wildsorten Bitterstoffe entstehen, die in hoher Konzentration giftig sind. Auch besonders warme und trockene Pflanzperioden können Bitterstoffe reaktivieren. Außerdem solltest du essbare Kürbisse und Zierkürbisse niemals nah beieinander anbauen, um gefährliche Kreuzungen und Verwechslungen zu vermeiden. Die Bitterstoffe kann man grundsätzlich schmecken, probiere die Früchte also immer erst einmal ungewürzt, bevor du sie in der Küche zubereitest. Schmecken sie auch nur leicht bitter, solltest du sie auf keinen Fall essen! Entsorge sie im Hausmüll oder verwende sie ausschließlich als Herbstdeko. Auf der ganz sicheren Seite bist du beim Anbau von Kürbisgewächsen, wenn du speziell bei diesen Pflanzen jährlich frisch gekauftes Biosaatgut verwendest.


Tipp von Oma:
Gurken ausschließlich von der Blüte zum Stielansatz zu schälen. Das klingt verrückt - aber: Die giftigen Bitterstoffe finden sich konzentriert am Stielansatz der Frucht und können beim Schälen in die falsche Richtung verteilt werden. In der Generation unserer Großeltern wurde der bittere Teil der Frucht großzügig entfernt und der Rest dennoch gegessen. Danke Oma!!!